Der hat sie doch nicht mehr alle!

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Behinderung in unserer auf schön getrimmten Gesellschaft erlebe ich immer noch als stigmatisiert. Wer blind mit einem Stock über die Straße geht, erntet gaffende Blicke, schlimmstenfalls ein Hupkonzert. Wessen Beine ihn nicht tragen, dem wird im Rollstuhl nachgegafft. Tja, und den Spruch „Der hat sie doch nicht mehr alle!“ hat tatsächlich neulich einer getuschelt.

Ein Zettel, ein Blick, und weg war er

Ich saß in der Straßenbahn. Da stieg ein Mann zu, schaute enttäuscht zur Anzeigentafel. In so einem Fossil von Straßenbahn rief stattdessen eine Blechstimme die nächste Station aus. Der Mann setzte sich und zog einen zerknüllten Zettel aus der Tasche. Er nahm mit den umstehenden Fahrgästen Blickkontakt auf. Hielt seinen Zettel hin. Die „Angesprochenen“ liefen weg, in ein anderes Straßenbahnabteil. Eine ganze Weile saß der mit dem Zettel in sich gesunken. Dann nahm ich den Zettel aus seiner Hand. Darauf stand: „Ich bin gehörlos und muss bei XXX aussteigen. Können Sie mir bitte helfen?“

Sprachlosigkeit isoliert

Gehörlose Menschen sind nicht geistesbehindert. Ihnen fehlt der Hörsinn, wodurch sie tonlos zurechtkommen müssen. Sie denken, fühlen, wünschen und leben als völlig gesunde Menschen. In unserer lauten Gegenwart ist offensichtlich kein Platz für Menschen, die ganz offensichtlich nicht alle Sinne beisammen haben. Nächstes Mal nehme ich meine Sinne zusammen, wenn mir einer einen Zettel hinhält. Lesen kann ich, und schreiben kann er. Also können wir uns auch „unterhalten“.

Unsichtbare Barrieren und Lösungen

Ich habe seitdem eine Menge über die „scheinheilige“ gesellschaftliche Toleranz gelernt. Geholfen wird von amtlicher Seite allen, die sich hörbar äußern können. Blinde erhalten ein Persönliches Budget für ihre Bedürfnisse. Lahme können sich mit einem zugewiesenen Betrag eine Rollstuhlrampe online kaufen, um besser im Auto wegzukommen. Grundsätzlich sieht das Gesetz ähnliche Erleichterungen für Gehörlose vor. Doch wenn ich das Internet so verfolge, dann sind Zuspruch und reale Unterstützung in diesem Bereich meilenweit voneinander entfernt. Ich fürchte, dass Sprachlosigkeit von der Gesellschaft als Spargrund ignoriert wird. Das finde ich weder modern noch tolerant, schon gar nicht „gleichberechtigt“.

Verändern werde ich mit meiner Sicht der Dinge nichts. Aber wer weiß – wenn der nächste Gehörlose in der Straßenbahn mit einem Zettel Leute „anspricht“, dann laufen die vielleicht nicht weg. Das wäre ja ein Anfang gegen weitere Barrieren.

TV-Irrsinn

Beim Blick in eine Fernsehzeitung könnte man meinen: Das war’s mit Deutschland. Normalerweise ‘zappe’ ich nicht grundlos durch Fernsehkanäle, gestern habe ich mir allerdings den Spaß erlaubt und habe mich Sender für Sender durch die TV-Landschaft geschaltet – nur mal so aus Neugierde.

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Eine Minute lang habe ich jedem neuen Format eine Chance gegeben und so viel sei vorweg gesagt: Die meisten Programme habe ich keine 20 Sekunden lang ertragen können. Es muss auch für mich wirklich nicht immer der ‘Literaturclub’ auf 3sat sein, auch ich mag leichte Unterhaltung. Aber das, was da abgeht, hat mit leichter Unterhaltung wenig zu tun. Das ist Verdummung auf Höchstniveau. Es sei dem gratuliert, der Sendungen wie ‘Schwiegertochter gesucht‘ oder ‘Die Super-Checker‘ mit dem nötigen Abstand betrachten kann, dazu gehören aber leider nur die wenigsten. Insbesondere jüngere Zuschauer sind leicht beeinflussbar und können das, was ihnen dort vom Bildschirm entgegen flimmert, gar nicht so recht verdauen, geschweige denn, einordnen. Einen Erklärungsversuch des Trash-Booms gibt es hier.

Schrecklich harmlos war da doch die Zeit, als  ‘MTV’ die größte Sorge aller Eltern gewesen ist.

Mein Sicherheitstick

DIE sind auf jeden Fall nicht sicher!
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Irgendwie kann man doch der ganzen Welt nicht mehr trauen. Ich werde schon absolut skeptisch, wenn mich ein Fremder auf der Straße länger als 3 Sekunden anschaut. Der will mir doch bestimmt das Portemonnaie klauen, denke ich dann.

Das gleiche Phänomen habe ich zu Hause. Man liest ja ständig von irgendwelchen Wohnungseinbrüchen und deshalb finde ich, dass man nie sicher genug sein kann. Mein altes Schloss in der Wohnungstür war mir sowieso ein wenig suspekt — da hätte ein Einbrecher ein leichtes Spiel gehabt. Also wurde es ausgewechselt durch einen vernünftigen ABUS-Schließzylinder, den ich auf http://graefe-fitzal.de gefunden habe. Ich schließe immer so weit wie möglich ab, um ganz sicher zu gehen.

Klar bin ich mir bewusst, dass ich da einen kleinen Spleen habe. Aber mit dem neuen Schloss geht es mir nun mal besser, was spricht also dagegen?

Sport ist Mord, oder?

Wie gern würde ich von euch, lieben Lesern, an dieser Stelle eine nickende Zustimmung bekommen. Aber ich fürchte, einige von euch werden mir da eher vehement widersprechen. Ich bin in jedem Fall ein Sportmuffel und das schon, seit ich denken kann. Ich habe nie einen Sinn darin gesehen, wie wild geworden einem Ball hinterherzuhetzen oder einsame Bahnen im Schwimmbad zu ziehen. Letztens habe ich mich von einer guten Freundin zu einem ‘Spaziergang’ überreden lassen – das war dann aber auch das Höchste der Gefühle.

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Als ich über diesen Artikel gestolpert bin, der Sport quasi als vorbeugend jeglicher Krankheiten deklariert, habe ich schon ein schlechtes Gewissen bekommen. Bin ich meinem Körper Sport schuldig? Die erste Joggingrunde hab ich dann auch äußerst eifrig im Kopf geplant, aber, ihr ahnt es schon, zur tatsächlichen Umsetzung ist es bis heute nicht gekommen. Vielleicht sollte ich es mal mit ruhigeren Sportarten versuchen: Golf oder Curling? Ihr seht schon, es wird albern…

Sollte also jemand einen todsicheren oder auch skurrilen Motivationstipp auf Lager haben – bitte immer her damit!

 

Bio? Öko? Fairtrade?

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Ich steige da nicht mehr ganz durch – und ich bin maßlos enttäuscht über die schlechte Aufklärung und die permanente Verschleierung durch die Nahrungsmittelindustrie. Möchte man beim Einkauf auf Herkunft oder Inhaltsstoffe achten, wird es einem äußerst schwer gemacht. Da werden Stoffe in Miniaturgröße abgedruckt, die selbst ich (kein Brillenträger) nicht lesen kann, oder mit einem ‘Sternchen’ versehen, dessen Verweis man dann minutenlang sucht, nur um festzustellen, dass es keinen gibt.

Wenn ich schon Probleme habe, wie ergeht es dann wohl erst älteren Menschen? Die lassen sich häufig, gutgläubig, wie sie eben sind, den Bären aufbinden: Wo ‘bio’ drauf steht, muss auch Gutes drin sein. Und man kann es ihnen nicht einmal verübeln, denn das, was die Industrie da betreibt, ist Betrug mit Vorsatz!

Ich habe übrigens Ende letzten Jahres ‘Eating Animals‘ von Jonathan Safran Foer gelesen. Der schreibt eigentlich Romane, hat sich allerdings auch zu diesem Sachbuch zum Thema Massentierhaltung hinreißen lassen. Wenn ich nur daran zurück denke, läuft mir ein Schauer über den Rücken. Ich brauch wohl nicht mehr zu erwähnen, dass ich seitdem Vegetarier bin, richtig?